Pressemitteilung des NABU Baden-Württemberg

14. April 2015

 

Frühlingsboten erreichen Baden-Württemberg

NABU wirbt um Gastfreundschaft für Schwalben

 

Stuttgart – Schwalben gehörten zu den ersten Langstreckenziehern, die aus ihren über 4.000 Kilometer entfernten Überwinterungsgebieten südlich der Sahara zurückkehren. Bis zu einem halben Jahr verbringen sie dann bei uns im Brutgebiet. „Zurzeit trudeln die ersten Frühlingsboten in Baden-Württemberg ein“, berichtet NABU-Vogelexperte Stefan Bosch. Hier sind sie auf die Gastfreundschaft des Menschen angewiesen. „Sonst können sich die abnehmenden Bestände nicht stabilisieren.“

 

Bei der alljährlichen NABU-Vogelzählung, der „Stunde der Gartenvögel“, sind oftmals Bestandsrückgänge zu verzeichnen. So wurden 2014 rund 14 Prozent weniger Mehlschwalben und 17 Prozent weniger Rauchschwalben gezählt als noch im Vorjahr. „Jahrhundertelang waren Schwalben überall im Ländle zu Hause. Aber die Intensivierung der Landwirtschaft, verstärkte Hygieneanforderungen sowie die Versiegelung der Landschaft machen den Vögeln zu schaffen“, sagt Bosch.

 

Mehlschwalben sind Gebäudebrüter, finden aber kaum noch Nistplätze. Gerade an modernen oder sanierten Gebäuden ist Wohnraum Mangelware. Zudem verhindern moderne Fassadenputze, dass der feuchte Lehm, den die Tiere als Baumaterial verwenden, an der Fassade haften bleibt. Abhilfe schaffen kann man etwa mit Nisthilfen. „In unserer versiegelten Landschaft fehlt es zudem an feuchtem Lehm, ohne den die Vögel keine Nester bauen können. Wer also die Gelegenheit hat Schlammpfützen anzulegen, kann den Mehlschwalben Gutes tun.“ Wenn während der Brutzeit Schwalbenkot unter dem Nest lande, sei das erst einmal gewöhnungsbedürftig, berichtet Bosch. „Mit ein bisschen Toleranz – oder nachdem man ein so genanntes Kotbrett richtig und nicht zu nah am Nest angebracht hat –  gelingt das Zusammenleben aber wunderbar.“

 

Auch die Lebensbedingungen der im Vergleich zur Mehlschwalbe etwas größeren Rauchschwalbe haben sich massiv verschlechtert. „Die Veränderungen in der Landwirtschaft sind da ein wesentlicher Faktor“, sagt Bosch. Es gibt weniger Insekten, die Ställe sind steril und für die Vögel entweder verschlossen oder werden als moderne Viehställe mit Offenhaltung so gebaut, dass sie für die Schwalben zu zugig sind. „Gerade Kuhställe sind enorm wichtige Brutplätze für Rauchschwalben. Mit entsprechend großer Sorge beobachten wir die aktuellen Entwicklungen in Sachen Milchpolitik und das fortschreitende Höfesterben“, sagt Bosch.

 

Der Vogelkundler rät allen Schwalben-Freundinnen und -Freunden, die Chance zu nutzen und sich an der Mitmachaktion „Stunde der Gartenvögel“ zu beteiligen: „Wer sich bewusst eine Stunde Zeit nimmt, um Vögel zu beobachten, hat gute Chancen auch eine Schwalbe zu sichten.“ Zudem könne sich der NABU nur dann optimal für die  Verbesserung der Lebensbedingungen einsetzen, wenn er möglichst gut über die Bestandsentwicklungen Bescheid weiß. Die Stunde der Gartenvögel findet von 8. bis 10. Mai statt. Weitere Informationen: www.stunde-der-gartenvoegel.de

 

 

Hintergrund – Schwalben:

Schwalben haben einen schlanken, stromlinienförmigen Körper und lange, schmale Flügel. Dadurch können sie sehr gut fliegen und Insekten sowie im Luftstrom treibende Spinnen im Flug erbeuten. Drei Schwalbenarten sind in Baden-Württemberg zu Hause:

·         Mehlschwalben: Sie werden etwa zwölf Zentimeter lang, wiegen rund 20 Gramm und werden im Schnitt zwei Jahre alt. Ihren Namen verdanken sie ihrer reinweißen Unterseite. Die Beine und Füße sind weiß befiedert. Der Schwanz ist schwach gegabelt, das Gefieder glänzt metallisch blau-schwarz. Mehlschwalben bauen ihre halbkugeligen Nester aus Lehm in der Regel außen an den Hauswänden unter Dachvorsprünge. Sie brüten ein bis drei Mal im Jahr. Nach zweiwöchiger Brutdauer schlüpfen drei bis fünf Jungvögel, die nach weiteren drei bis vier Wochen flügge werden.

·         Rauchschwalben: Ihren Namen verdanken sie ihrer früheren Vorliebe, in Schornsteinen und Rauchfängen zu brüten. Sie werden etwa 18 Zentimeter groß und wiegen wie die Mehlschwalbe etwa 20 Gramm. Ihr Gefieder ist ebenfalls schwarz-blau glänzend. Im Unterschied zur Mehlschwalbe ist allerdings nur ihr Bauch weiß. Ihre Lehmnester bauen sie gern im Inneren von Gebäuden, wie in Ställen, Schuppen oder Garagen. Rauchschwalben brüten ein bis drei Mal pro Jahr. Nach zweiwöchiger Brutzeit schlüpfen drei bis sechs Jungtiere, von denen die ersten bereits nach drei Wochen flügge werden.

·         Uferschwalben: Die etwa zwölf Zentimeter große und 13 Gramm schwere Uferschwalbe ist die kleinste Schwalbenart in Baden-Württemberg. Die Vögel brüten gern in sandigen Steilufern großer Flüsse, an Küsten oder auch Kiesgruben. Dort graben sie ihre bis zu einen Meter langen Brutröhren. Uferschwalben brüten ein bis zwei Mal im Jahr. Nach zwei Wochen schlüpfen bis zu sechs Junge, die nach 16 bis 23 Tagen flügge werden. Ausbau und Begradigung von Flüssen führen dazu, dass die Vögel nur noch schwer Platz für ihre Brutröhren finden. Denn den Gewässern fehlt es an der natürlichen Dynamik, durch die neue Steilufer freigespült werden, in denen die Uferschwalben ihre Röhren graben können. Die Uferschwalben können nur durch aufwendige Hilfsmaßnahmen unterstützt werden.

 

 

Kontakt für Rückfragen:

·         Dr. Stefan Bosch, NABU-Fachbeauftragter für Ornithologie und Vogelschutz, mobil: 0172 7321780

 

 

Für mehr Blüten im Ländle

"Wir haben es satt" unter diesem Motte lief auch dieses Jahr wieder eine Großdemonstration in Berlin, die sich gegen die Industrialisierung der Agrarwirtschaft richtet.

Zum Wohl aller wildlebenden Tiere, der Nutztiere und der Menschen sind viele auf die Straße gegangen und machten deutlich, dass ein Umdenken zum Erhalt der Artenvielfalt zwingend notwendig ist.

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NABU Landesverband Baden Württemberg

Presseportal

Stellungnahme des NABU zur Felchenzucht

Auf seiner Delegiertenversammlung in Überlingen hat der NABU-Bezirksverband Donau-Bodensee die Felchenzucht im Bodensee in sogenannten Aqua-Kulturen klar abgelehnt.

Eine Stellungnahme bzw. Presseerklärung , sowie einen offenen Brief an Minister Peter Hauk, finden Sie unter folgendem Link   AQUAKULTUR IM BODENSEE

Wir begrüßen unsere neuen Vorstände

Die Mitgliederversammlung hat unsere neuen Vorstände gewählt.

Wir begrüßen ganz herzlich:

Alexandra Sproll

sie hat ein hervorragendes Wissen über Fledermäuse

Brigitte Berger-Geiger

sie begleitet seit vielen Jahren die Zählung der Wiesenwehen in Spanien

Jan Riehle

er arbeitet sich in die Gebietsbetreuung an der Sockacher Aach Mündung ein

Adriano Tartaro

mit seinem Bachelor of Sience in Waldwirtschaft und Umwelt wird er unsere Gruppe fachlich bereichern

Stunde der Gartenvögel – ist das Wissenschaft?

Wachsende Beliebtheit der NABU-Mitmachaktion / Gewinner und Verlierer im Jahresvergleich

 Stuttgart – Am Pfingstwochenende findet die „Stunde der Gartenvögel“ statt. Bei der großen Mitmachaktion sind alle Naturfreundinnen und -freunde aufgerufen, eine Stunde lang die Vögel im Garten, vor dem Balkon oder im Park zu beobachten, zu zählen und für die bundesweite Auswertung beim NABU zu melden. Gerade Familien nutzen gerne die Gelegenheit, sich mit der Natur vor der Haustür zu beschäftigen. Aber auch für die Wissenschaft ist die Aktion, die der NABU einmal jährlich organisiert, von großem Wert.

 

„Die Stunde der Gartenvögel ist eine der wichtigsten Citizen Science-Aktionen in Deutschland und Baden-Württemberg – und eine der größten im deutschsprachigen Raum“, sagt NABU-Vogelexperte Stefan Bosch und betont: „Es ist ein Irrtum, dass von Laien erhobene Daten keine Rolle für die Wissenschaft spielen. Im Gegenteil – solche Vogelzählungen können helfen, Trends aufzuzeigen und wissenschaftliche Fragestellungen zu beantworten.“ Hinzu kommt, dass die Stunde der Gartenvögel eine der wenigen Erfassungen ist, die schwerpunktmäßig Daten für den Siedlungsraum erheben – einen großen Teil der Landesfläche. Dabei werden die Ergebnisse umso aussagefähiger, je mehr Menschen sich beteiligen. „Deshalb sind viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer so wichtig“, sagt Bosch. Die Entwicklung der Teilnehmerzahlen über die Jahre hinweg stimmt den NABU-Fachmann positiv: Haben sich 2010 bundesweit knapp 40.000 Menschen beteiligt, waren es 2015 bereits fast 48.000.

 

Bei den häufigsten Arten hat es über die Jahre wenig Veränderungen gegeben: Eine aktuelle Studie (erschienen in den „Ornithologischen Jahresheften für Baden-Württemberg“) zeigt, dass Haussperling – besser bekannt als Spatz –, Kohlmeise und Amsel regelmäßig auf den ersten drei Plätzen landen. Allerdings hat der Amselbestand seit Beginn der Aktion um ein Viertel abgenommen. „Das lässt sich nur bedingt durch Krankheitserreger erklären. Weitere Ursachen werden noch erforscht“, berichtet Bosch. Zu den klaren Verlierern in der Langzeitbeobachtung gehören Mehlschwalbe und Mauersegler. „Und für diese Gebäudebrüter kann man durchaus etwas tun. Zum Beispiel, indem man für Nisthilfen sorgt oder sich für weniger Insektizide in der Landwirtschaft stark macht.“

 

Weitere Informationen: www.stundedergartenvoegel.de

Hier gibt es eine Zählhilfe, Porträts der häufigsten Vogelarten und viele praktische Tipps.

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