"Wir sind Kormoran"

Gedanken zum Vogel des Jahres 2010

Vortrag bei der Landesvertreterversammlung des NABU Baden-Württemberg in Mössingen am 22.11.09 von Dr. Manfred Lieser als PDF-Datein (ca. 340 kB).


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Das Kormoranlied

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Text: Dr. Manfred Lieser

Komposition und Vertonung: Nina Schneider

 

Den Text zum nachlesen gibt es hier

 

 

Es gibt kein "Kormoranproblem"

Positionspapier Kormoran der NABU-Gruppe Radolfzell-Singen-Stockach

  1. Es gibt kein „Kormoran-Problem“. Das Ansteigen der Kormoran-Populationen in Europa, die Jahrhunderte lang vom Menschen aufs Schärfste bekämpft wurden, ist ein Erfolg für den Naturschutz. Nach seiner langen Leidensgeschichte muss dem Kormoran das Recht gewährt werden, ehemalige und neue Gebiete zu besiedeln.
  2. Der Kormoran wurde schon im 16. Jahrhundert zumindest als Gastvogel für den Bodensee beschrieben, am Oberrhein ist sein Brüten in jener Zeit belegt. Diese Vogelart kommt also von Natur aus in unserer Region vor. Mit ihrem Schutz in nördlichen Nachbarländern seit 1980 sind die dortigen Brutpopulationen und damit die Zahlen der Wintergäste am Bodensee angestiegen.
  3. Die natürliche Ansiedlung des Kormorans als Brutvogel am Bodensee wird ausdrücklich begrüßt (seit 1997, derzeit etwa 75 Brutpaare am Untersee). In den letzten Jahrzehnten sind viele andere Arten als Brutvögel verschwunden oder in ihren Beständen stark zurückgegangen.
  4. Die Zunahme des Kormorans am Bodensee ist ein Zeichen für ein gutes Nahrungsangebot, d. h. für ausreichend hohe Fischbestände, im See. Die umgekehrte Aussage, die Kormorane bedrohten die Fischbestände, ist durch keine wissenschaftliche Untersuchung belegt und widerspricht ökologischen Grundgesetzen.
  5. Seltene Fischarten der Roten Liste spielen nach Untersuchungen an bayerischen Seen im Beutespektrum des Kormorans keine Rolle. Sie sind durch menschliche Einflüsse bedroht (Gewässerausbau, Abwässer, Pestizide und Dünger aus der Landwirtschaft, touristische Nutzung der Gewässer u. ä.).
  6. Wirtschaftliche Schäden durch Kormorane sind möglich, z. B. an den Netzen von Berufsfischern. Sie sollten im Einzelfall belegt und mit öffentlichen Mitteln ersetzt werden.
  7. Jegliche Maßnahmen zur Bekämpfung des Kormorans, auch die sog. „Vergrämung“, müssen unverzüglich eingestellt werden. Die behördliche Genehmigung solcher Aktionen ist ein Rückfall in ein antiquiertes Schädlichkeits-Nützlichkeits-Denken, das in unserer Wohlstandsgesellschaft fehl am Platz ist.
  8. Die Auswahl der Brutstandorte durch die Kormorane in Naturschutzgebieten unterstreicht die Störanfälligkeit dieser Vögel während der Brut- und Aufzuchtszeit. Unsere Naturschutzgebiete müssen in der dicht besiedelten und stark touristisch genutzten Bodenseeregion Vorrangflächen für die Tier- und Pflanzenwelt bleiben.
  9. Der weit überwiegende Anteil der Kormorane am Bodensee umfasst Wintergäste aus nördlichen Nachbarländern, was durch Ringfunde belegt ist. Für den Schutz dieser Vögel tragen wir dieselbe Verantwortung, die wir von den südlichen Ländern für den Schutz unserer Zugvögel erwarten.
  10. Die Befürworter einer Bekämpfung des Kormorans kommen überwiegend aus dem Kreis der Hobbyangler, die die natürlichen Fischvorkommen sowie ausgesetzte Fische selbst zu Freizeitzwecken nutzen. Sie sehen im Kormoran einen Konkurrenten und bauen mit unhaltbaren Zahlen und Behauptungen ein Feindbild in der Öffentlichkeit auf, um ihre eigenen Freizeitinteressen zu wahren. Bisher liegen keine wissenschaftlich nachprüfbaren Zahlen über die Fischbestände, Entnahme durch den Kormoran in Relation zu den Fangerträgen sowie über andere Sterblichkeitsursachen bei den Fischen vor. Der NABU appelliert daher an die Angler, die Kampagnen gegen den Kormoran endlich einzustellen und bietet seine Zusammenarbeit in wirklichen Naturschutzfragen (z. B. Gewässerschutz) an.

gez. Dr. Manfred Lieser (1. Vors.) , 19.06.2002

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