Der Kormoran in der Wissenschaft

Literatur zum Kornoran (zusammengestellt von Manfred Lieser (2003))

Grémillet, D., Dey, R., Wanless, S., Harris, M.P. & Regel, J. (1996): Determining food intake by great cormorants and European shags with electronic balances. ‑ J. Field Orn. 67: 637‑648
An 10 Kormorannestern und an 6 Krähenscharbennestern auf der Insel Chausey (F) wurde mit automatischen Waagen der Futtereintrag gemessen. Mit einem Modell wurde der Gesamtverzehr (Frischfisch pro Tag und Individuum) berechnet:

Kormoran ♂  890 g,  ♀ 800 g; Krähenscharbe  ♂ 478 g,  ♀ 583 g.


Fiedler, W. (1999): Kormorane Phalacrocorax carbo als Durchzügler und Wintergäste in Süddeutschland und Österreich ‑ eine Ringfundanalyse 1986‑1999. ‑ Orn. Beob. 96: 183‑192
In den Jahren 1986-99 wurden 129 als Nestling beringte Kormorane in Baden-Württemberg, Bayern und Österreich wieder gefunden. Bis auf zwei gehörten alle Vögel zur Unterart Ph. c. sinensis, der Hauptanteil stammte von Brutkolonien im südlichen Ostseeraum (51 aus Schweden, 36 aus Dänemark). Zwei Vögel der Unterart Ph. c. carbo aus Norwegen und Karelien waren aus mehr als 2000 km Entfernung gekommen. Etwa ein Drittel der Wiederfunde betraf Vögel im ersten Winter, die beiden ältesten Vögel waren im 14. Winter. Die Fundursachen waren (nach Wichtigkeit geordnet): Abschuss (seit 1996 in Süddeutschland genehmigt), Ertrinken in Fischernetzen, Ablesen von Ringen. Für vier Individuen, die mehrmals kontrolliert werden konnten, ist eine hohe Winterortstreue belegt.


Boschert, M., Mahler, U. & Schuster, S. (2000): Brutverbreitung und Brutbestand des Kormorans (Phalacrocorax carbo) in Baden-Württemberg. – Orn. Jh. Bad.-Württ. 16: 1-6
1994 kam es bei Karlsruhe zur Brutansiedlung des Kormorans in Baden-Württemberg, nachdem 1985 in Hessen und 1991 in Rheinland-Pfalz grenznah eine seither alljährlich besetzte Brutkolonie entstanden war. 1997 wurde am Bodensee der zweite Brutplatz entdeckt, 1998 zwei weitere am Oberrhein, wodurch der Bestand sprunghaft auf 118 Brutpaare anstieg. Der Gesamtbrutbestand in Baden-Württemberg umfasste 1999 154 Paare, 2000 215 Paare in jeweils vier Kolonien. Während in Baden-Württemberg der Bestand weiter ansteigt, ist in Hessen eine Stabilisierung und in Rheinland-Pfalz ein Rückgang zu verzeichnen.


Kinzelbach, R. K. & Hölzinger, J. , Hrsg. (2000): Marcus zum Lamm (1544-1606) – Die Vogelbücher aus dem Thesaurus Pictuarum. Ulmer, Stuttgart, 404 S.
Der Kormoran war in Südwestdeutschland in älterer Zeit als Durchzügler und Wintergast belegt, so am Bodensee durch Gessner (1555). Vom Rhein gibt es einen Brutnachweis bei Straßburg (nicht flügge Jungvögel um 1580), Bruthinweise auch  z. B. um 1100 bei Bingen und aus dem 17. Jahrhundert wiederum bei Straßburg.


Schmid, H., Burkhardt, M., Keller, V., Knaus, P., Volet, B. & Zbinden, N. (2001): Die Entwicklung der Vogelwelt in der Schweiz, Avifaunareport Sempach 1, Annex, 444 S.
Der Kormoran ist in der Schweiz ein zahlreicher Durchzügler und Wintergast. Im Jahr 2000 kam es zu einer ersten Freibrut durch Gefangenschaftsflüchtlinge. Der Zuzug beginnt im Juli, die höchsten Zahlen werden im Oktober/November erreicht. Der Gesamtbestand Mitte Januar (einschl. ausländischer Teile von Bodensee und Genfer See) stieg von 1967 bis 1992 stark an (von ca. 200 auf ca. 8000 Ex.), nahm aber von 1992 bis 2000 wieder ab (auf ca. 5000 Ex.). Die Zunahme wird auf angestiegene Brutbestände im nördlichen Europa zurückgeführt. Für die neuerliche Abnahme könnten Änderungen im Nahrungsangebot oder Bekämpfungsmaßnahmen verantwortlich sein. Von 1992-98 wurden jährlich im Durchschnitt 1000 Kormorane in der Schweiz abgeschossen.


Collas, M., Guidou, F. & Varnier, R. (2001): Etude du comportement et du régime alimentaire du Grand Cormoran Phalacrocorax carbo sur le Lac du Der (Marne et Haute-Marne). – Alauda 69: 513-526
Am Stausee von Der auf der Grenze der Departements Marne und Haute-Marne (östliches Frankreich, 4800 Hektar Wasserfläche) hat der Winterbestand an Kormoranen von ca. 30 Ind. im Jahr 1974 auf ca. 1800 Ind. im Jahr 1998 zugenommen (jeweils Oktoberzahlen). 27 Ringvögel stammten aus Dänemark (23), Schweden und England (je 2). Im Jahr 1999 brüteten 11 Paare am Stausee, ein weiteres an einem Teich in Haute-Marne. Die Nahrung wurde anhand ausgewürgter und heruntergefallener Fische ermittelt, die bei 37 Begängen in den Wintern 1997-99 unter Schlafplätzen gesammelt wurden (n=1.599 Fischindividuen). Größtes Beutetier war ein Hecht mit 45 cm Länge und >500 g Gewicht, kleinste Beutetiere waren junge Rotaugen mit 3-4 cm Länge. Insgesamt wurden 18 Fischarten als Nahrung nachgewiesen, die wichtigsten waren Hecht (65% Biomassenanteil im Winter 98/99), Flußbarsch (18%), Rotauge (4%), Zander (3%), Brachsen (3%), Schleie (2%). Die anderen 12 Arten machten zusammen 5% aus. Angelhaken und –köder wurden ebenfalls unter den Schlafplätzen gefunden. Die jährliche Fischentnahme wird auf 75 t geschätzt. Die Autoren sehen die Altersstruktur der Populationen von Hecht und Zander gefährdet, da der Kormoran recht große Individuen zu bevorzugen scheint, was auch mit Anglerinteressen konkurriert. Nicht diskutiert bleibt die Frage, ob das Spektrum der herab gefallenen Fische unter den Schlafplätzen dem Spektrum des Gesamtfanges entspricht und ob große Fische hier nicht überrepräsentiert sind.


Engström, H. (2001): The occurence of the Great Cormorant Phalacrocorax carbo in Sweden, with special emphasis on the recent population growth. – Ornis Svecica 11: 155-170
Die schwedische Kormoranpopulation hat in den letzten Jahrzehnten beträchtlich zugenommen und umfasste im Jahr 1999 25.600 Brutpaare in 154 Kolonien. Die Zunahme war zwischen 1986 und 1994 besonders stark. Seit Mitte der 1990er Jahre scheint sich die Zahl auf einem bestimmten Niveau einzupendeln. Abschuss und Eierentnahme wurden häufig lokal zur Reduktion der Brutvorkommen im Hinblick auf Fischereikonflikte praktiziert, hatten jedoch nur begrenzten Erfolg. 


Lekuona, J. M. & Campos, F. (2001): Kleptoparasitism in cormorants Phalacrocorax carbo. – Avian Science 1: 25-30
Als Kleptoparasitismus bezeichnet man das Stehlen von Beute. In Nordspanien und Südwestfrankreich wurden zwischen Oktober und März der Jahre 1992-95 270 Versuche des Beutestehlens bei Kormoranen protokolliert, die meisten davon richteten sich gegen Artgenossen, etwa 5% der Angriffe betrafen Graureiher und Lachmöwen. Für Jung- und Altvögel war Kleptoparasitismus erfolgreicher als die Einzeljagd auf Fische und könnte eine Strategie sein, den Energieaufwand für das Tauchen zu reduzieren. Angriffe in Gruppen waren häufiger und erfolgreicher als Einzelangriffe und erbrachten größere Beutestücke. Aus den Gruppen fraß immer nur ein Vogel die Beute. Es scheint eine Altershierarchie beim Kleptoparasitismus zu geben: Altvögel griffen bevorzugt Jungvögel an.

In 364 Fällen normaler Nahrungssuche, die im Mittel 22 min dauerten, wurden 10.769 Tauchvorgänge protokolliert. Die Erfolgsrate lag bei 18%. Altvögel erbeuteten pro Nahrungsgang mehr Biomasse als Jungvögel: 316 g bzw. 203 g.


Libois, R. (2001): Aperçu du régime alimentaire du Grand Cormoran (Phalacrocorax carbo) dans les eaux intérieures du Pas-de-Calais (France). – Aves 38 (2): 49-59
In Frankreich stieg der Brutbestand des Kormorans (Unterart Ph. c. carbo) seit 1970 jährlich um 4-8% an und betrug 1995 etwa 1.600 Paare. Die Winterbestände (zusammen mit Ph. c. sinensis) nahmen von 9.000 im Jahr 1977 auf 83.000 im Jahr 1999 zu. Dieser Anstieg wird nicht nur mit dem Schutz des Kormorans erklärt, sondern auch mit einer erheblichen Verbesserung des Nahrungsangebotes durch Gewässer-Eutrophierung, Anlage neuer Gewässer sowie Fischaussetzungen.

Im Rahmen behördlich genehmigter Abschüsse zur Regulierung des Kormorans wurden Ende 2000 in der Region Pas-de-Calais (Nordfrankreich) die Mägen von 40 Kormoranen gesammelt, davon waren 8 (= 20%) leer. Die Bestimmung der Fische und Fischreste (426 Individuen mit 7,704 kg) ergab folgende Biomasseanteile (gerundet): Rotauge 51%, Brachsen 20%, Forelle 13%, Flußbarsch 5%, unbestimmte Weißfische 3%, Hecht, Güster und Rotfeder je 2%, Flußneunauge, Kaulbarsch, Zander, Moderlieschen, Ukelei, Karpfen und Bitterling jeweils höchstens 1%. Nur 5% der Beutefische waren größer als 19 cm, die meisten waren um 9 cm groß; 80% der Fische wogen weniger als 20 g. Fische mit mehr als 200 g (nur 1% der Anzahl) machten allerdings 20% der verzehrten Biomasse aus. Die Ergebnisse passen gut in den Rahmen anderer Untersuchungen an meso- bis eutrophen Binnengewässern Mitteleuropas.


Fukuda, M., Narusue, M. & Kato, N. (2002): Changes in the distribution and abundance of the great cormorant Phalacrocorax carbo in Japan. – Jap. J. Ornith. 51: 4-11
Vor 1920 war der Kormoran in Japan (südlich von Hokkaido) weit verbreitet. Durch illegale Verfolgung nahm der Bestand bis 1940 stark ab, in der Folgezeit setzte sich diese Entwicklung fort, bedingt durch weitere menschliche Einflüsse wie Wasserverschmutzung. Im Jahr 1971 gab es nur noch drei Kolonien mit weniger als 3000 Tieren. Ab Ende der 1970er Jahre erholte sich der Bestand, als Gründe werden verbesserte Wasserqualität (damit gestiegene Fischbestände) und nachlassende menschliche Störungen genannt. In den 80er Jahren verteilte sich die Population infolge von Bekämpfungsmaßnahmen in drei Provinzen. Der heutige Bestand in Japan wird auf 50-60.000 Kormorane geschätzt.


Kameda, K., Matsubara, T., Mizutani, H. & Yamada, Y. (2002): Diet and foraging site selection of the great cormorant in Japan. – Jap. J. Ornith. 51: 12-28
Infolge des gestiegenen Kormoranbestandes in Japan kam es vermehrt zu Konflikten mit der Süßwasserfischerei. In drei Gebieten auf Honshu wurden Untersuchungen zur Nahrungsökologie der Kormorane durchgeführt. Verzehrt wurden Süß-, Brack- und Salzwasserfische, abhängig vom jahreszeitlichen Angebot in den einzelnen Habitaten. Die Beutetiergrößen lagen zumeist zwischen 3 und 30 cm. Der tägliche Nahrungsbedarf wird mit 500 g Fisch pro Kormoran angegeben.


Lekuona, J. M. (2002): Ecologia trófica del Cormoran Grande Phalacrocorax carbo sinensis durante la época reproductora en una zona de reciente colonización (valle del Ebro). – Ardeola 49: 241-247
Durch die zunehmenden Brutpopulationen in Nordeuropa stieg auch die Zahl der in Spanien überwinternden Kormorane stark an. Seit den 1990er Jahren kam es zu einzelnen Bruten. Am Ebro und Aragon wurden in den Jahren 1999, 2000 und 2001 (April bis Juli) 163 Fischfang-ereignisse von 10 männlichen und 7 weiblichen Kormoranen protokolliert (Beobachtung aus <50 m Entfernung mit Spektiv). Die Beutefische wurden, wenn möglich, bestimmt und in Relation zum Kormoranschnabel in fünf Längenklassen eingeteilt. Die verzehrte Biomasse wurde mit Hilfe einer Regressionsstichprobe (Körperlänge und –masse von Probefischen) hergeleitet. Von 1189 Beutefischen machten Barbe (Barbus graellsii, 46%) und Näsling (Chondrostoma miegii, 30%) etwa drei Viertel aus. Geringe Anteile entfielen auf Gründling, Karpfen, Goldfisch und Amerikanischen Barsch. Fische von 8-14 cm Länge machten 43%, solche von 15-21 cm 22% der Beutezahl aus. Männliche Kormorane erbeuteten im Durchschnitt 226 g pro Fischzug, weibliche nur 197 g. Die Kormorane flogen im Mittel 3,8 km weit von den Nestern zu den Nahrungsplätzen. 


Hallfarth, T. (2003): Das Auftreten des Kormorans (Phalacrocorax carbo) 1958-2001 im sächsischen Vogtland. – Mitt. Ver. Sächs. Ornithol. 9: 225-233
Bis in die 1970er-Jahre war der Kormoran im Vogtland eine seltene Erscheinung. Danach trat die Art immer häufiger und in größeren Trupps auf. Der erste Schlafplatz mit 300 Vögeln entstand im November 1996. Bei tiefen Temperaturen verlagern sich die Schlafplatzgemeinschaften von Talsperren an die Weiße Elster. Das Entstehen von Schlafplätzen im Vogtland könnte auf beginnende Vergrämungsmaßnahmen in Bayern zurückzuführen sein. Das Durchzugsmaximum mit etwa 800 Tieren ist seit dem Winter 1999/2000 ungefähr gleich geblieben, eine weitere Zunahme ist nicht erkennbar. Zu Brutansiedlungen kam es bisher nicht.


Preuß, D. (2002): Nahrungsökologische Untersuchungen zum Einfluß des Kormorans Phalacrocorax carbo sinensis auf die Fischerei im Küstenbereich Vorpommerns. – Naturschutz in Meckl.-Vorp. 45/2: 57-67
Etwa die Hälfte des deutschen Kormoranbestandes brütet in Mecklenburg-Vorpommern (10.600 Paare von 20.300). Auf der Insel Heuwiese westlich von Rügen gibt es eine bodenbrütende Kolonie, die maximal 2.300 Paare (1997) umfasst. Im Juni 1997 und im Mai 1999 wurden dort Speiballen gesammelt (145 bzw. 92), aus ihnen wurden 2.333 Fischindividuen mit 94 kg Biomasse bestimmt. In beiden Jahren machten Flußbarsch und Plötze die höchsten Anteile an der Biomasse aus (1997 etwa 70%, 1999 etwa 35%). Im Jahr 1999 erreichte der Dorsch mit 46% den höchsten Biomassenanteil. Nach den Individuenzahlen wurden in beiden Jahren vor allem Arten verzehrt, die in hohen Populationsdichten (Flußbarsch, Plötze) oder in Schwärmen auftreten (Stichling, Sandaal). Die Beutefische waren zwischen 9 mm (ein Plattfisch) und 63 cm (Aal) groß, meistens aber kleiner als 25 cm. Der Gesamtverzehr der Kolonie aus 1997 wird auf 174 t Fisch geschätzt, das entspricht etwa 11% des Fischereiertrages aus dem selben Jahr. Wirtschaftlich bedeutende Fische wie Aal (1% der verzehrten Biomasse), Hornhecht (0,55%) und Hering (0,25%) spielten eine unbedeutende Rolle als Kormoranbeute.

Wir stellen vor:

Machen Sie uns stark

Online spenden

Naturschutzjugend

Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene machen "action for nature" Mehr