Vortrag bei der Landesvertreterversammlung des NABU Baden-Württemberg in Mössingen am 22.11.09 von Dr. Manfred Lieser als
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Text: Dr. Manfred Lieser
Komposition und Vertonung: Nina Schneider
Den Text zum nachlesen gibt es hier
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Es gibt kein „Kormoran-Problem“. Das Ansteigen der Kormoran-Populationen in Europa, die Jahrhunderte lang vom Menschen aufs
Schärfste bekämpft wurden, ist ein Erfolg für den Naturschutz. Nach seiner langen Leidensgeschichte muss dem Kormoran das Recht gewährt werden, ehemalige und neue Gebiete zu
besiedeln.
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Der Kormoran wurde schon im 16. Jahrhundert zumindest als Gastvogel für den Bodensee beschrieben, am Oberrhein ist sein Brüten
in jener Zeit belegt. Diese Vogelart kommt also von Natur aus in unserer Region vor. Mit ihrem Schutz in nördlichen Nachbarländern seit 1980 sind die dortigen Brutpopulationen und damit die
Zahlen der Wintergäste am Bodensee angestiegen.
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Die natürliche Ansiedlung des Kormorans als Brutvogel am Bodensee wird ausdrücklich begrüßt (seit 1997, derzeit etwa 75
Brutpaare am Untersee). In den letzten Jahrzehnten sind viele andere Arten als Brutvögel verschwunden oder in ihren Beständen stark zurückgegangen.
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Die Zunahme des Kormorans am Bodensee ist ein Zeichen für ein gutes Nahrungsangebot, d. h. für ausreichend hohe Fischbestände,
im See. Die umgekehrte Aussage, die Kormorane bedrohten die Fischbestände, ist durch keine wissenschaftliche Untersuchung belegt und widerspricht ökologischen Grundgesetzen.
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Seltene Fischarten der Roten Liste spielen nach Untersuchungen an bayerischen Seen im Beutespektrum des Kormorans keine Rolle.
Sie sind durch menschliche Einflüsse bedroht (Gewässerausbau, Abwässer, Pestizide und Dünger aus der Landwirtschaft, touristische Nutzung der Gewässer u. ä.).
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Wirtschaftliche Schäden durch Kormorane sind möglich, z. B. an den Netzen von Berufsfischern. Sie sollten im Einzelfall belegt
und mit öffentlichen Mitteln ersetzt werden.
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Jegliche Maßnahmen zur Bekämpfung des Kormorans, auch die sog. „Vergrämung“, müssen unverzüglich eingestellt werden. Die
behördliche Genehmigung solcher Aktionen ist ein Rückfall in ein antiquiertes Schädlichkeits-Nützlichkeits-Denken, das in unserer Wohlstandsgesellschaft fehl am Platz ist.
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Die Auswahl der Brutstandorte durch die Kormorane in Naturschutzgebieten unterstreicht die Störanfälligkeit dieser Vögel
während der Brut- und Aufzuchtszeit. Unsere Naturschutzgebiete müssen in der dicht besiedelten und stark touristisch genutzten Bodenseeregion Vorrangflächen für die Tier- und Pflanzenwelt
bleiben.
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Der weit überwiegende Anteil der Kormorane am Bodensee umfasst Wintergäste aus nördlichen Nachbarländern, was durch Ringfunde
belegt ist. Für den Schutz dieser Vögel tragen wir dieselbe Verantwortung, die wir von den südlichen Ländern für den Schutz unserer Zugvögel erwarten.
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Die Befürworter einer Bekämpfung des Kormorans kommen überwiegend aus dem Kreis der Hobbyangler, die die natürlichen
Fischvorkommen sowie ausgesetzte Fische selbst zu Freizeitzwecken nutzen. Sie sehen im Kormoran einen Konkurrenten und bauen mit unhaltbaren Zahlen und Behauptungen ein Feindbild in der
Öffentlichkeit auf, um ihre eigenen Freizeitinteressen zu wahren. Bisher liegen keine wissenschaftlich nachprüfbaren Zahlen über die Fischbestände, Entnahme durch den Kormoran in Relation zu
den Fangerträgen sowie über andere Sterblichkeitsursachen bei den Fischen vor. Der NABU appelliert daher an die Angler, die Kampagnen gegen den Kormoran endlich einzustellen und bietet seine
Zusammenarbeit in wirklichen Naturschutzfragen (z. B. Gewässerschutz) an.
gez. Dr. Manfred Lieser (1. Vors.) , 19.06.2002